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Das Polarlicht in Eggenfelden (Niederbayern)
von Mark Vornhusen

Die Nacht vom 6. auf den 7. April 2000 werde ich so schnell nicht vergessen. Gegen 20.30 Uhr hatte ich seit langem mal wieder etwas Astronomie betrieben und die enge Begegnung von Mond, Jupiter, Saturn und Mars beobachtet und fotografiert. Danach sah alles nach einem eher langweiligen Abend aus. Ich surfte etwas im Internet und war kurz vor 23.00 Uhr im Chat der Wetterzentrale. Ein Mitchatter aus Varel berichtete, daß er Donnerschläge hörte. Das klang für uns wie ein schlechter Scherz, denn Gewitter waren überhaupt nicht zu erwarten. Er warf einen Blick zum Himmel und sah, daß er rot gefärbt war. Gleichzeitig stiegen in der Nähe Rauchwolken auf und eine Feuerwehrsirene war zu hören. Also sprach alles für einen Brand, bei dem auch die Explosionen entstanden waren. Wie sich bald herausstellte, gab es tatsächlich ein Großfeuer in Varel. Dennoch machte ihn die rote Himmelsfarbe stutzig und es fiel das Stichwort Nordlichter im Chat. Sofort kontrollierte ich derzeitige Polarlichtaktivität und sah, daß sie auf einem sehr hohen Niveau war. Eigentlich hatte ich nicht mit Nordlichtern gerechnet, da ich keine Warnung erhalten hatte, die ich sonst immer per e-mail zugeschickt bekomme. Die anderen Mitchatter sahen ebenfalls aus dem Fenster und konnten auch einen im Norden rot gefärbten Himmel beobachten. Damit war so um 23:05 klar, daß es Nordlichter geben mußte. Ich schaute kurz zum Himmel und konnte nichts erkennen. Nordlichter in Südostbayern sind extrem selten, und ich hatte kaum Hoffnung hier etwas sehen zu können. Dennoch packte ich meine Fotoausrüstung zusammen und ging zu Fuß einige 100 Meter aus der Stadt heraus, um nicht von der Straßenbeleuchtung gestört zu werden. Nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit angepaßt hatten, konnte ich im Nordosten eindeutig eine rote Aufhellung tief am Horizont beobachten. Das konnte nur ein Nordlicht sein. Im Norden bis hin nach Nordwesten war der Himmel etwas aufgehellt, doch das sah aus wie Schleierwolken. Ich wartete so etwa von 23:30 bis 0:20 Uhr, aber außer der schwachen Aufhellung war nichts zu sehen. Immerhin war es ein Nordlicht. Darauf bin ich wieder ins Haus gegangen, um am Computer zu sehen, was im Rest Deutschlands gerade abgeht. Die Meldungen im Wetterzentrale-Forum überschlugen sich. Überall Nordlichtsichtungen. Allerdings keine so weit im Süden. Dann rief ich meine e-mails ab und erfuhr, daß Karl Kaiser das Nordlicht sogar von Österreich beobachten konnte. Außerdem sah ich, daß jetzt doch eine Polarlichtwarnung in meinem elektronischen Briefkasten war. Dann kam eine Mitteilung von Jürgen Vollmer im Forum, daß das Polarlicht in Marburg bis in etwa 30°-Höhe zu sehen ist. Dies war etwa um 1:30 Uhr. Daraufhin bin ich sofort wieder zu meinem Beobachtungsplatz am Stadtrand gegangen und sah etwas Unglaubliches: Von Westen über Norden bis zum Osten stiegen Strahlen vom Horizont auf in eine Höhe bis etwa 60°. Sie hatten eine grünliche bis rötliche Farbe. Dazwischen war der Himmel rot gefärbt. Dieses Rot war bis zum Zenit zu sehen. Dann einige sich schnell bewegende grünlichweiße Streifen nahe dem Zenit. Später bildeten sich Strahlen, die im Zenit zusammenliefen. Die eigentlich mondlose Nacht war durch die Polarlichter vollmondhell. Die hellsten Polarlichter konnte ich zwischen 1:40 Uhr und 2:20 Uhr beobachten. Danach ging die Aktivität langsam zurück. Der Himmelsanblick entsprach genau dem, den ich von alten Flugschriften über Polarlichter in Süddeutschland kenne. Ich habe natürlich auch Fotos gemacht. Leider hatte ich nur einen 100 ISO Film zur Verfügung. Allerdings waren die Polarlichter so hell, daß sie bei 2-3 Minuten Belichtung auch auf einem eigentlich ungeeigneten Film zu sehen sein müssten. Die Aufnahmen habe ich hauptsächlich mit einem 2.8/16 mm Extrem-Weitwinkelobjektiv gemacht, da nur so die Nordlichter in ihrer ganze Erstreckung auf den Film bannen konnte. Einige Fotos habe ich auch mit einem 1.4/50 Normalobjektiv aufgenommen. Ob sich auf den Bildern etwas erkennen läßt wird sich am Montag zeigen. Sehr interessant war, daß in einem nahegelegenen Bauernhof die Kühe wie verrückt muhten. Die Lautstärke der Tiergeräusche stimmte sogar lange Zeit mit der stärke der Polarlichter überein. Außerdem war ein Hund ständig am bellen. Ich selbst meine auch fast das Polarlicht als ein leichtes Kribbeln gespürt zu haben, aber das kann auch Einbildung sein. Das war mein erstes Polarlicht überhaupt und ich bin einfach überwältigt von der Schönheit dieses Himmelsschauspiels.

Polarlichtjahr 2000

© AKM e.V.