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Polarlichtbeobachtung in Heidelberg
von Christoph Gerber

Heidelberg (49°4 N, 8°7 E), 6./7. April 2000 (Zeitangaben in MESZ = UT +2h)

Hier der Bericht zum Polarlicht, wie es von Heidelberg aus zu sehen war. Er ist recht ausführlich, da es das erste von mir beobachtete Polarlicht war, das über einen roten Schein über den Nordhorizont hinausging. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, so weit südlich ein so komplexes Nordlicht zu erleben. Die ausführliche Beschreibung mag denen, die die Erscheinung nicht beobachtet haben und bisher noch kein Nordlicht zu Gesicht bekommen haben, einen Eindruck über den Ablauf geben. Als "Sterngucker" habe ich natürlich sehr oft die (abgekürzten) Sternbildbezeichnungen verwendet. Wer mit diesen nicht vertraut ist, sei auf die Internetseite www.heavens-above.com verwiesen. Hier kann als Beobachtungsort "Germany" und "Heidelberg" aus der "site"-Datenbank ausgewählt und dann die Seite "whole sky chart" angewählt werden. Dort können dann Datum und Uhrzeit (MESZ, nicht UT!) eingegeben werden, und dann wird der Anblick des Himmels z.Z. der Beobachtung angezeigt. Ich hoffe, daß dies eine gute Orientierungshilfe ist.

Dauer der Erscheinung: 23:00-3:00; offenbar sehr rascher Aktivitätsanstieg zum "Vormaximum" ca. 22:55-23:05, Unterbrechung von ca. 0:00 bis ca. 0:45(?), Maximum: 1:20-1:50, "Nachmaximum"2:10-2:40, rasches Ende.

Beginn kurz vor 23:00 Uhr (Rückkehr nach Hause, aber auf der Heimfahrt mit dem Fahrrad noch nichts bemerkt): Im Norden in CAS eine helle, rot leuchtende Wolke mit nahezu senkrechten, etwa 10° hohen gelblichen Strahlen, eine weitere hell leuchtende Wolke im NO in CYG. Ein roter Bogen erstreckte sich von etwa PER (im NW) über CAS, CEP bis CYG (im NO). Die Erscheinung nahm dann an Intensität ab, insbesondere die gelben Strahlen; die roten Wolken in PER und CYG schimmerten noch am längsten. Im Norden war zusätzlich ein flacher "Lichtdom" zu sehen. Die roten Wolken wurden dann wieder etwas intensiver (23:10). (23:17) Der Lichtdom im Norden war etwa 10° hoch und erstreckte sich von etwa (Gamma) AND bis Deneb (CYG) und berührte den Horizont unterhalb von Wega (LYR). Etwa 10min später war er schwächer, reichte aber bis (Alpha) CAS hinauf (ca. 20° hoch). Dann sackte er wieder zusammen und wurde erneut heller; er ragte nur noch etwa 12(-15)° hoch über dem Horizont (23:31). Die Höhe und die Intensität des Lichtdomes schwankten dann in diesem Bereich, bis er gegen 0:00 fast ganz verblaßte. Die rote Wolke aus CAS driftete etwas nach Westen und verharrte dann in Horizontnähe im Bereich PER/TAU (im NNW). Die gesamte Ausdehnung der Lichterscheinung reichte bis zur Capella (AUR) hinauf und bis zum CEP im Norden, um 23:35 sogar bis in GEM hinein (WNW). Hin und wieder waren kurzzeitig hellere Strahlen zu sehen. Alle Strahlen verliefen nahezu senkrecht (sie waren leicht nach links oben geneigt). Um 23:36 erstreckte sich das rot leuchtende Band von GEM über AUR (und oberhalb von PER und CAS) bis nach CEP. Um 23:46 war nur noch ein schwacher roter Schimmer zu erkennen. Gegen 0:00 schien die gesamte Erscheinung ganz verblaßt bzw. beendet zu sein und ich unterbrach die Beobachtung für längere Zeit.

(00:44) Der Lichtdom war wieder zu sehen, er reichte von etwa (Epsilon) PER im NW bis unterhalb (Pi) CYG im NO und lief im Westen diffus aus, im Osten war er viel schärfer begrenzt und bog amboßförmig zum Horizont zurück. Ab 1:00 folgten wieder kontinuierliche Beobachtungen (anstelle der geplanten Meteorbeobachtung...): um 01:02 ragte ein schwacher Strahl über dem Dom fast senkrecht bis zu Beta CEP (im NNO) hinauf. Kurze Zeit später endete der Strahl in einer rot schimmernden Wolke. Der rote Schimmer kehrte auch in CYG wieder. Um 01:09 war die Erscheinung in CEP schon wieder zu Ende, aber: um 01:10 war plötzlich die rote Wolke hell im NW in GEM (wo zwei Stunden vorher der TAU stand) zurück, wurde heller, und es kamen auch die hellen gelblichen Strahlen wieder. Dann fing die rote Wolke allmählich an, nach Osten zu wandern, um 01:14 wurden auch wieder hellere, rötliche Strahlen in CEP (NO) sichtbar, helle Strahlen reichten bis (Beta) UMI hinauf. Um 01:19 erstreckte sich das rötliche Lichtband von GEM bis CYG. In den folgenden Minuten erreichte die Erscheinung das Maximum. Die gelblich-rötlichen Strahlen in AUR und in CAS wurden sehr hell. Der Höhepunkt war das Flugzeug, das zufälligerweise "durch" den sehr hellen Strahl in AUR flog: in diesem Strahl war der Kondensstreifen als dünner schwarzer, deutlicher Strich zu sehen! Es muß der unbeleuchtete und daher dunkle Kondensstreifen vor dem hellen Strahl gewesen sein. Das Flugzeug selbst war nur als Punkt wahrnehmbar, schien aber rötlich zu "glühen"! In der Zeit des Maximums erstreckte sich ein regelrechter "Vorhang" gelblicher Strahlen (Strahlen wie stets fast senkrecht und leicht nach links oben geneigt) in einer rot leuchtenden "Wolke" von etwa AUR bis CYG von etwa 10° bis 50° über den Nordhorizont. Unglaublich, phantastisch!!! Um 01:26 reichte der rote Schimmer bis zum Zenit, die intensive Wolke im NW wurde schwächer. Der Lichtdom, der sich die ganze Zeit ebenfalls zeigte, erhob sich nun und wurde um 01:30 zum Lichtbogen, der sich von (Zeta) GEM aus oberhalb von (Alpha) PER und CAS bis (Epsilon) CYG erstreckte. Nun reichten auch die roten Strahlen bis zum Zenit hinauf (UMA). Die Erscheinung war in CAS am hellsten; es kamen wieder gelbliche Streifen dazu! (01:39) Im Osten wanderte nun der helle rotleuchtende Bereich südwärts bis HER, später (gegen 02:00) sogar bis OPH (im O). Um 01:43 erschien erstmals ein heller, vermutlich grünlicher Fleck unterhalb von CYG. Im Westen erhob sich nun ein blasser gelber Strahl bis LEO! Die gelblichen Strahlen im Norden wanderten allmählich ostwärts, während das rote "Hintergrundleuchten" verblaßte. Die Zahl der gelblichen Strahlen nahm zu, es entstanden ganze Strahlenbündel. Sie alle wanderten nach Osten. Der helle Strahl, der 01:45 über Alpha PER hinweg zog, erreichte 01:48 Alpha CAS und verschwand um 01:50 in CEP, während ein Strahl in CYG (ONO) sehr hell wurde. Die Strahlen verlagerten sich nun in die östliche Himmelshälfte, während von CAS (im N) bis GEM (im NNW) nur noch ein blasser roter Schimmer zurückblieb. Ein neuer Strahl reichte über HER bis in den BOO, der in Zenitnähe stand. Er ging nach einigen Minuten in eine schimmernde rote Wolke über. Verschiedentlich tauchten jetzt auch im Norden immer wieder Strahlen auf, die schnell heller wurden und dann ebenso schnell wieder verblaßten.

(02:04) Strahlenbündel konvergierten nun südlich des Zenits bei Arktur (BOO). In den folgenden Minuten zeigten sich verschiedene hellere grünliche(?) Flecken, die aber stets nur von kurzer Dauer waren (oberhalb LYR im ONO und in CNC im WNW). Um 02:08 stieß die "Front" des Nordlichtes nach Süden auf die Linie Alpha OPH-Alpha BOO vor. (02:12) In CEP zeigte sich die rote Wolke wieder, die Strahlen kamen zurück und wurden heller (von AUR bis CEP): es ging wieder los!!! Helle rote Wolke in AUR, rote Streifen in GEM-CEP, helles (grünliches) Band von Epsilon BOO über CRB bis Delta HER... Inzwischen war die ganze "Palette" der Erscheinungen mehrfach zu sehen gewesen, es gab nichts "Neues" mehr. (02:17) wieder konvergierende Strahlen aus dem Sektor von LEO bis HER (auf Eta BOO zu), offenbar immer an nahezu derselben Stelle! Die ganze nördliche Himmelshälfte war von dem rötlichen "Schein" überzogen! 02:30 erneut helle Strahlen im N und NO (in CAS und LAC/CYG), die vom Horizont hoch bis in die Zenitgegend reichten. 02:37 und in den folgenden Minuten: Strahlen konvergierten direkt auf Alpha BOO zu und reichten bis etwa 5° an den Stern heran. Der Sektor, aus dem die Strahlen kamen, erstreckte sich über etwa 160° (GEM-UMA-DRA-HER). Im Westen war jetzt nichts weiter zu sehen, das Geschehen verlagerte sich eindeutig in die Zenitgegend!

Nach einer kurzen Beobachtungspause war um 02:50 war nur noch ein einsamer Strahl in CAS zu sehen, vom rötlichen Schimmer war fast nichts mehr zu erkennen. (02:54) Der Lichtdom zeigte sich inzwischen wieder, war aber nach NW verlagert und erstreckte sich von HYA über (Alpha-Beta) GEM bis zu (Alpha) AUR. Nach einer weiteren Pause schien um 03:02 alles verschwunden zu sein. Ein letztes Mal zeigten sich dann nochmals rote Strahlen in AUR, die sich 03:06 zu einem schwachen Strahlen-"Vorhang" (von AUR bis CAS) verbanden. Diese Strahlen waren jedoch nur für jeweils Minutenbruchteile sichtbar. Da das Ende des Polarlichtes in Sicht war und der Himmel wieder dunkel genug geworden war, begann ich mit der Meteorbeobachtung. Um 03:12 war von der Polarlichterscheinung nichts mehr zu sehen: Lichtdom Weg, Strahlen weg, Flecken weg, roter Schimmer weg, alles weg!!! Es war wieder der "normale" Himmel, er zeigte sich wie gewohnt, und so, als ob gar nichts gewesen wäre!!! (Keine weiteren Erscheinungen bis zum Beginn der Dämmerung gegen 05:30).

Polarlichtjahr 2000

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